Am 20. August 2026 kamen in der Köthener Stadt- und Kathedralkirche St. Jakob mehr als siebzig Engagierte zusammen, um über die Zukunft unserer regionalen Kirchengebäude zu sprechen. Der Einladung der LEADER-Aktionsgruppen (Anhalt, Dübener Heide Sachsen und Sachsen-Anhalt, Wittenberger Land) und der Landeskirchen folgten Akteurinnen und Akteure aus Kirche, Zivilgesellschaft, Kommunalverwaltung, Architektur und Tourismus.
Die zentrale Frage des Tages: Wie können Kirchen, die oftmals leer stehen oder vom Verfall bedroht sind, zu lebendigen und zukunftsfähigen Orten für alle werden?
„Kirchen sind Kristallisationspunkte. Sie sind ein wunderbarer Schatz, den wir da haben, und es lohnt sich, das alles zu erhalten. Allein ist das aber nicht mehr zu stemmen – deshalb brauchen wir starke Netzwerke und alternative Nutzungen.“ – Matthias Kopischke (Ev. Landeskirche Anhalt)
Die wichtigsten Erkenntnisse des Tages
- Kirchen als offene Begegnungsorte: Sakrale Gebäude sind wichtige emotionale Kristallisationspunkte und vermitteln Identität im Dorf. Sie sollen sich künftig noch stärker als niederschwellige Treffpunkte öffnen – auch für Menschen ohne konfessionelle Bindung.
„Eine Kirche ist häufig nur Stein, wenn wir nicht Leben, Kultur und Soziales damit verbinden.“ – Matthias Egert (Bürgermeister Zörbig)
- Mut zum Ausprobieren: In den Praxisdialogen wurde eine klare Macher-Mentalität gefordert. Unter dem Motto „Anfangen! Machen!“ sollen unkonventionelle Ideen erprobt werden, denn Vorhaben scheitern selten am Geld, sondern eher an fehlenden Visionen.
- Abbau von Hürden: Um ehrenamtliches Engagement nicht auszubremsen, ist es zwingend notwendig, bürokratische Hürden bei Förderanträgen abzubauen und auf verlässliche Beratung zu setzen.
- Starke Netzwerke: Die Rettung und Neunutzung von Gebäuden ist allein oft nicht mehr zu stemmen. Es braucht die enge Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinden, Kommunen, Denkmalschutz, Zivilgesellschaft und Tourismus.
Praxisbeispiele, die Mut machen Dass der Wandel bereits erfolgreich gelebt wird, zeigten beeindruckende Beispiele aus der Region, die auf dem Fachtag vorgestellt wurden:
- Das „Wunder von Rieda“: In dem kleinen Ort baute die Dorfgemeinschaft eine verfallene romanische Kirche in Eigenregie von Grund auf neu auf. Heute wird sie rege als religiöser Ort und für die Dorfgemeinschaft genutzt.
- Das Radnetz „Radius“: Ein Projekt, das 123 Kirchen über eine App-basierte Fahrradroute miteinander verbindet und so gezielt Ausflügler und Gäste anzieht.
- Die Kulturkirche Greppin: Nach fast zehn Jahren Leerstand mitten im Chemiepark hat ein Verein junger Menschen die Initiative ergriffen, um das Gebäude zu einem soziokulturellen Zentrum zu entwickeln.
Wie der Schwung weiterwirkt Der Fachtag in Köthen hat gezeigt: Resignation ist der falsche Weg.
„Zwangsläufigkeit ist eine atheistische Vokabel. Sie lässt der Hoffnung wenig Platz, gibt neuen Perspektiven und Ideen keinen Raum und rechnet nicht mit Wundern.“ – Dr. Gabriele Metzner (Ev. Kirche Mitteldeutschland – Kirchgemeinde Wittenberg)
Es gibt zwar kein universelles Patentrezept zur Rettung aller Kirchen, aber es gibt unzählige kreative Lösungsansätze, die auf eine Umsetzung warten. Die vielen geteilten Ideen, von der Jugendkirche bis zum „Honig-Frühstück“, bilden nun einen wertvollen Ideen-Pool, der als Inspiration für zukünftige Entwicklungen dienen soll.
Damit die wertvollen Impulse dieses Tages nicht verpuffen, werden hier die Ergebnisse zum Nachlesen hochgeladen. Zudem kann auf YouTube die Veranstaltung visuell nacherlebt werden.
Der Auftakt ist gemacht, die Netzwerke sind geknüpft – Wir sind gespannt, wie sich die Zukunftsorte in unserer Region weiterentwickeln werden!
